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Hidden Champions und der Freihandel – Lobbyismus

Haben große Konzerne mit prall gefüllter Portokasse bestimmte Wünsche an Abgeordnete, wenden sie sich an PR- und Kommunikationsfirmen wie ‘gplus’, die etliche ehemalige Parlamentsmitglieder auf ihrer Lohnliste haben. Diese bringen ihr persönliches Netzwerk, das sie in jahrelanger politischer Tätigkeit aufgebaut haben, ein, um zahlungskräftigen Unternehmen eine gewichtige Stimme zu verleihen. (http://www.gplusgermany.de/de/services.php#media-strategy)
Ein mittelständiges Unternehmen dürfte es wesentlich schwerer haben Gehör bei EU – Parlamentariern zu finden, um die eigenen Vorstellungen von “guter Wirtschaftspolitik” effektiv durchzusetzen.
Im Rahmen verschiedener Freihandelsabkommen ist die Privatisierung öffentlicher Versorgungsleistungen, zu denen auch die Ressource Wasser gehört, von grundlegender Bedeutung.
Der weltweite Marktführer für in Flaschen abgefülltes Wasser ist der Schweizer Konzern Nestlé. Wie man der Website des Unternehmens entnehmen kann, besitzt Nestlé 461 Fabriken in 83 Ländern, verkauft Produkte unter mehr als 2.000 Marken und beschäftigt 330.000 Mitarbeiter. Im Jahr 2015 wurden 80% der von Nestlé in der Schweiz hergestellten Produkte exportiert.
Und Nestlé, namentlich der Präsident des Verwaltungsrates Peter Brabeck-Letmathe, hat genaue Vorstellungen davon, wieviel Wasser wir benötigen und wie wir es gefälligst zu verwenden haben.
»Die fünf Liter, die wir für unseren täglichen Verbrauch benötigen sowie die 20 Liter für die tägliche Mindesthygiene, sind ein Menschenrecht. […] Wenn die Menschen das nicht bezahlen können, dann soll die Regierung dafür sorgen, dass sie diesen Zugang gratis erhalten. Dieses Menschenrecht macht genau 1,5 Prozent des internationalen Wasserverbrauchs aus – dieser sollte frei sein. Aber für die restlichen 98,5 Prozent sehe ich kein Menschenrecht.« (http://www.blick.ch/news/wirtschaft/nestle-chef-peter-brabeck-es-gibt-kein-menschenrecht-auf-wasser-fuer-swimmingpool-id1743192.html)
Nach der Sozialisierung von Kosten und der Privatisierung von Gewinnen, haben wir anscheinend nun den Punkt erreicht, an dem profitorientierte Konzerne Menschenrechte definieren.